Wenn sich dein Geld unsicher anfühlt, ist der erste Reflex bei den meisten: Ich brauche mehr Geld. Nee. Mehr Geld löst das Problem in aller Regel nicht. Es versickert irgendwo, und dein Gefühl ändert sich dadurch nicht. Vielleicht im allerersten Moment, wenn die neue Gehaltsabrechnung kommt. Aber nicht auf Dauer, wenn du nicht aktiv managst, was mit dem Geld passiert.
Darum fange ich beim Geldjahr an. Finanzen ordnen 2027 klappt auch, wenn du noch nie ein Geldjahr geplant hast. Ich zeige dir, wie ich vorgehen würde. In drei Schritten.
Mein eigenes Geldjahr 2027 habe ich dieses Mal schon im September angefangen zu planen, nicht erst zum Jahreswechsel. Ich habe mir eine große Reise in den Kopf gesetzt, und da ging es früher los. Du kannst aber jederzeit einsteigen. Auch wenn du erst im April merkst, dass es nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast.
Das Wichtigste auf einen Blick
Finanzen ordnen 2027 klappt in drei Schritten. Erstens: Schau auf dein vergangenes Geldjahr zurück und spür, wie sich dein Geld angefühlt hat. Zweitens: Prüf deine Rücklagen und deine Schulden und was sie mit dir machen. Drittens: Leg deine Prioritäten gegen das Einkommen, das dir frei zur Verfügung steht. Dafür brauchst du ein Haushaltsbudget. Dein Plan darf dich stretchen, er darf sich ändern, aber nicht jeden Monat. Plane realistisch, mit Platz für Unvorhergesehenes.
Schritt 1: Zurückschauen und spüren, wie sich dein Geld angefühlt hat
Wenn du dein Geldjahr noch nie geplant hast, fang mit der Rückschau an. Bevor du irgendetwas fürs neue Jahr aufschreibst, schau erstmal, wie das vergangene gelaufen ist. Ein paar Fragen helfen dabei:
- Was ist gut gelaufen, was weniger?
- Habe ich zu viel ausgegeben?
- Habe ich für mein Empfinden genug Rücklagen?
- Welche unverhofften Dinge sind reingekommen, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte?
Meinen eigenen Jahresrückblick für 2026 findest du hier: [Link zu meinem Jahresrückblick 2026]
Und dann kommt der Teil, der bei Geldgefühl nicht fehlen darf: Wie hast du dich mit all dem gefühlt? Hattest du ein sicheres Gefühl mit deinem Geld? Oder hat es dich viel zu oft verunsichert? Was brauchst du, damit du dich sicherer fühlst?
Schreib dir die Antworten auf. Und dann die Frage danach: Wie möchtest du dich im neuen Jahr mit deinem Geld fühlen? Was müsste sich dafür ändern?
Schritt 2: Rücklagen und Schulden, und was sie mit dir machen
Blick auf die Rücklagen. Fühlen sich die Rücklagen, die du hast, hoch genug an oder viel zu wenig? Wenn ja, wie viel zu wenig? Welcher Betrag würde dir im ersten Moment Sicherheit geben, sodass du denkst: Okay, wenn ich den Puffer habe, dann ist echt alles safe?
Falls du Schulden hast: Was machen diese Schulden mit dir? Nerven sie dich? Fühlst du dich damit schlecht? Dann hast du zwei Möglichkeiten. Du arbeitest aktiv daran, dass deine Schulden rapide weniger werden. Oder du veränderst die Gedanken, die du über diese Schulden denkst.
Du kannst auch noch mal reflektieren, wie es zu diesen Schulden gekommen ist. Was hat dich zu der Entscheidung gebracht, diese Schulden zu machen? Hast du ein schlechtes Gewissen deswegen, empfehle ich dir eine EFT-Klopfrunde, oder auch zwei, drei zu diesem Thema. Und dann schau wirklich tief hin: Was müsste an dieser Stelle passieren, damit du dich mit deinen Schulden besser fühlst?
Vielleicht ist der Weg, dass du umschuldest und bessere Bedingungen bekommst. Vielleicht setzt du die Priorität darauf, Rückstellungen aufzubauen, damit du Sondertilgungen leisten kannst, wenn dein Kredit das ermöglicht. Vielleicht fasst du viele kleine Raten in einer größeren zusammen, sodass du nur noch eine Baustelle hast und der Überblick einfacher wird. Das ist sehr, sehr individuell. Und ehrlich gesagt wäre es sogar einen eigenen Blogbeitrag wert.
Schritt 3: Deine Prioritäten gegen dein freies Einkommen legen
Wenn du aus all diesen Reflexionen deine Prioritäten und deine wichtigsten Punkte herausgearbeitet hast, kommt die Frage: Wie lässt sich das mit dem Gehalt bedienen, das du zur Verfügung hast? Mit deinem frei verfügbaren Einkommen? Unter Umständen stellst du dann fest: Das langt hinten und vorne nicht. Willkommen im Club. Das ist meistens so, weil wir dazu neigen, viel zu viele Baustellen gleichzeitig anzugehen. Ich kenne das von mir selbst.
Mein Beispiel: der olle Kredit
Ich schleppe noch ein paar Altlasten mit mir rum, Investments aus früheren Selbstständigkeiten. Und ich hatte eine ganze Weile den Druck, das Ding unbedingt loswerden zu wollen, weil es mir so ein schlechtes Gefühl gegeben hat. Dann habe ich festgestellt, dass ich meine Rücklagenziele nicht erreiche, wenn ich gleichzeitig mehr Geld in diesen vermaledeiten Kredit pumpe.
Ich habe eine Finanzberaterin, und darüber bin ich sehr froh, weil da noch jemand mit mir auf meine Investments schaut. (Liebe Grüße an Nicola Redicker von Investmentorin an dieser Stelle.) Dank ihr weiß ich, dass es mich viel weiterbringt, meinen ollen Kredit einfach weiterlaufen zu lassen. Der hat so genial gute Zinsen, und das Ding läuft schon so lange, dass ich mit meinen Investments den weitaus größeren Hebel habe.
Seitdem ich das weiß, ist da Ruhe im Karton. Das ist eine Entscheidung, die ich getroffen habe, und fertig. Das hinterfrage ich nicht mehr, weil ich weiß: Mein Geld hat die Priorität von alleine sortiert. Alles, was ich zusätzlich zur Verfügung habe, läuft in meine Investments, allein um meine Rentenlücke weiter zu schließen und, soweit ich kann, noch Vermögen aufzubauen.
Das ist aber eine sehr individuelle Entscheidung. Wenn du dir da unklar bist, such dir bitte eine Finanzberaterin oder einen Finanzberater, die oder der mit dir schaut, was für dich Sinn macht.
Versicherungen, Strom und Gas
Was ich dir auch empfehle: der Blick auf deine Versicherungen. Hast du noch einen Hebel, bei gleicher Leistung einen günstigeren Tarif zu bekommen? Und wo ziehst du die Grenze? Wie viel Ersparnis pro Jahr ist dir den Aufwand wert? Ich habe für mich eine Grenze gezogen. Wenn es nur 20 oder 30 Euro im Jahr sind, wechsle ich den Tarif nicht, das ist mir die Mühe nicht wert. Alles, was drüber liegt, ist einen ersten und zweiten Gedanken wert. Das gilt genauso für Stromtarife, Gastarife und Ähnliches.
Manchmal hilft auch einfach die Nachfrage bei deiner aktuellen Versicherung: Leute, ich habe gerade Tarife verglichen, ihr schneidet da nicht gut ab, was können wir tun? Dann muss es gar nicht die Kündigung sein. Und schau dir dabei auch gleich die Kündigungsfristen an.
Das Haushaltsbudget als Basis
Was du dazu immer brauchst, ist ein Haushaltsbudget. Du musst wissen, was regelmäßig reinkommt, was regelmäßig rausgeht und wie viel frei verfügbares Einkommen du im Monat tatsächlich hast. Wenn du das nicht weißt, sind alle Investments und alle Rücklagenplanungen für die Füße. Du musst immer wieder ran und strafst dich selbst Lügen, weil du dir immer wieder beweist, dass du nicht sparen kannst. Das stimmt so nicht. Du bist einfach von falschen Voraussetzungen ausgegangen.
Wenn du nicht klar hast, was bei dir monatlich reinkommt und rausgeht, empfehle ich dir den Geld-Klar-Check. Der macht das für dich oder mit dir, auch mehrmals, falls nötig. Da kannst du gucken, wie viel freies verfügbares Einkommen du hast und mit wie viel du realistisch planen kannst. Das ist wirklich die Basis von allem.
Kurzfristig, mittelfristig, langfristig
Eventuell hast du jetzt festgestellt, dass deine ganzen Wünsche und Ziele nicht zu deinem tatsächlichen Einkommen passen. In der Regel ist das eine Frage von zu vielen Baustellen, von zu vielen Prioritäten.
Mir fiel es immer schwer, meine Prioritäten in langfristig, mittelfristig und kurzfristig einzuteilen. Rente aufbauen zum Beispiel ist als langfristiges Ziel wahnsinnig weit weg. Und wenn du die Beiträge dazu liest, überall, auf Social Media und so weiter, ist das ein Riesenhype. Das macht ein super schlechtes Gewissen, und du hast das Gefühl, es muss alles da reingepumpt werden, was du irgendwie zur Verfügung hast. Dabei lebst du dein Leben ja auch jetzt, aktiv. Wie viel du in ein langfristiges Ziel packst, ist eine Entscheidung, die du einfach treffen musst.
Je nachdem, wo du stehst, möchtest du dir vielleicht ein Auto kaufen, ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Vielleicht eine Ferienimmobilie, was weiß ich. Ein langfristiges Ziel darf Priorität haben. Aber nicht die oberste, sodass alle Lebensqualität dafür zurückstehen muss. Das geht nur einen begrenzten Zeitraum.
Vom Ziel zum Monatsbetrag
Wenn ich sortiert habe, welche Prioritäten das Jahr hat, was ich erleben möchte und wie ich mich mit meinem Geld fühlen möchte, fange ich an, wirklich zu planen. Wann brauche ich das Geld? Wie viel muss es sein? Und wie viel muss ich dafür jeden Monat zurücklegen? Das plane ich durch.
Bei meiner Reise habe ich zuerst grob durchgerechnet, was sie mich kostet: wie viel Taschengeld ich brauche, welche Ausflüge ich machen möchte. Dazu kam ein großzügiger Puffer obendrauf. Dann habe ich geschaut, wie viel ich im Monat sparen müsste, damit das klappt.
Das hat unter Umständen Auswirkungen auf alle anderen Ausgaben im Jahr. Das musst du dir bewusst machen. Wenn ich dieses Ziel verfolge, fällt mein Geschenkebudget in diesem Jahr vielleicht ein bisschen dünner aus. Oder mein Klamottenbudget. Woran ich persönlich ungern spare, sind die Gesundheitsrücklagen. Das ist aber eine persönliche Entscheidung. Ich habe gerade gehört, dass die Zahnreinigung beim Zahnarzt von 165 auf 210 Euro gestiegen ist. Das ist ein Budget, das ich sehr ungern kürze. Ich kürze lieber am Freizeitbudget oder am Urlaubsbudget. Das Urlaubsbudget ist 2027 allerdings nicht dran. Meine Reise in die USA ist für Ende September, Anfang Oktober geplant, die hat in diesem Jahr oberste Priorität für mich.
Dann plane ich meine Monate drumherum. Welche Ausflüge sind geplant, welche Wochenendtrips? Wann brauche ich das Geld, und wie viel muss ich zurücklegen? So strukturiert sich mein Jahr. Und die Prioritäten dürfen sich über das Jahr verschieben. Wenn die Reise rum ist, plane ich wieder ganz normal weiter, in meinem Takt, der sich über die letzten Jahre für mich bewährt hat. Dann gehe ich zurück zu meinen festen Beträgen pro Kategorie und schaue, was ich mir für 2028 vornehme.
Wenn es nicht reicht
Wenn ich dann gesehen habe: Oh shit, das reicht nicht, das wird alles viel zu knapp, da ist keine Luft mehr für andere unvorhergesehene Dinge, hatte ich drei Möglichkeiten. Ich verschiebe die Reise. Ich schaue, ob es andere Wege gibt, mehr Geld zu generieren. Oder ich muss die Reise abspecken, damit sie in mein Budget passt.
Beim Geld generieren kannst du dich fragen: Muss ich mir einen neuen Job suchen? Muss ich Gehaltsgespräche führen? Möchte ich eine Weiterbildung machen, damit ich mein Einkommen weiter erhöhen kann? Und worauf liegt mein Fokus? Muss ich Dinge anders priorisieren als im Jahr zuvor, damit ich ihn halten kann?
Dein Plan darf sich ändern, aber nicht jeden Monat
Du darfst dich durchaus stretchen und herausfordern, ein großes finanzielles Ziel zu erreichen. Es sollte nur nicht in Stress ausarten, weil dir dann die Freude daran vergeht. Und das wäre schade.
Wenn du im Laufe des Jahres merkst: Holla die Waldfee, das fühlt sich überhaupt nicht gut an, ich habe mich übernommen, das stresst mich, dann ist es unter Umständen kein gutes Ziel. Dann gib dir bitte in Gottes Namen die Erlaubnis, diese Priorität zu verändern.
Ich komme noch mal auf mein Beispiel mit dem Kredit zurück. Mich hat das echt fuchsig gemacht. Ich dachte immer: Oh Mann, ich muss diesen Kredit loswerden, egal zu welchem Preis. Ich habe mich da echt krummgelegt, und das hat mich total gestresst. Mir hat das die Lebensfreude genommen. Jede andere Ausgabe, die ich dafür nicht getätigt habe, hat sich auf Dauer nicht gut angefühlt. Jedes Essengehen mit einer Freundin, jedes Stück Kuchen, jeden Cocktail in Frage zu stellen: Hättest du diese 10 Euro jetzt nicht lieber auch noch genommen, um die in den Kredit zu pumpen oder in die Rücklagen? Nee. So soll das nämlich nicht sein.
Dazu noch eine Sache, weil wir hier auf meinem Blog sind und ich dir meine Sicht der Dinge weitergebe. Minimalismus, Frugalismus, wie auch immer, um eines großen, hehren Ziels willen: Das ist nicht meine Baustelle. Es gibt bestimmt Menschen, die damit richtig gut klarkommen. Ich bin aber ein Genussmensch, hier und jetzt. Ich brauche meine Dopaminkicks. Mir gibt Essen gehen, mit Freunden gute Zeit verbringen, sehr, sehr viel für meine Lebensqualität und mein Wohlbefinden.
Nach 57 Lebensjahren weiß ich sehr genau, wo meine Grenze liegt. Ich hatte auch Phasen, in denen ich kaum Geld hatte oder viel zu wenig, und ich weiß, dass ich es für mich einfach brauche, gewisse Zeit im Monat mit meinen Freunden zu verbringen und mit denen essen gehen zu können. Ich weiß auch, dass ich es nur begrenzte Zeit durchhalte, mich so an die Kandare zu nehmen und mein Budget so schmal zu machen, um ein riesengroßes Ziel zu erreichen. Eine gewisse Weile geht das, aber nicht dauerhaft. Das ist mein Blick auf die Welt. Ich möchte nicht ausschließen, dass es Menschen gibt, denen das wesentlich leichter fällt als mir.
Wovor ich dich trotzdem warnen möchte: Ändere deine Pläne nicht jeden Monat, damit machst du dich auch verrückt. Du hast dir den Plan aus einem guten Grund gemacht, und an dem solltest du weitestgehend festhalten. Es sei denn, du merkst nach einem Quartal oder so, dass es sich wirklich nicht gut anfühlt, dass du nicht hinkommst, dass du dich verrechnet hast, weil etwas dazwischengekommen ist, das du bei der Planung nicht gesehen hast. Das nennt man Leben. Das passiert halt einfach. Dann gib dir die Erlaubnis, den Plan wieder an dein reales Leben anzupassen.
Was ich aus all den Jahren Budgetieren sagen kann: Wenn wir anfangen zu budgetieren oder solche Finanzpläne aufzustellen, planen wir in der Regel nach unserer Wunschvorstellung, so, wie wir es gerne hätten, wenn wir in der perfekten Welt leben würden. Tun wir aber nicht. Preissteigerung ist real. Mach deshalb lieber ein realistisches Budget, in dem Unvorhergesehenes vorkommt und in dem mal ein Monat total aus dem Ruder läuft. Und dann hast du am Ende das Gefühl: Ich habe es trotzdem gut hinbekommen, weil ich so flexibel war, dass ich es auffangen und wegstecken konnte. Du passt deine Pläne ein kleines bisschen an und verschiebst vielleicht auch mal deine Prioritäten.
Fazit: Finanzenordnen 2027 in drei Schritten
Ein Geldjahr zu planen, geht in drei Schritten. Du schaust zurück und spürst, wie sich dein Geld im vergangenen Jahr angefühlt hat. Du schaust auf deine Rücklagen und auf deine Schulden und darauf, was sie mit dir machen. Und du legst deine Prioritäten gegen das, was du tatsächlich zur Verfügung hast. Dein Plan darf dich stretchen. Er darf sich aber auch ändern, wenn das Leben dazwischenkommt.
Wenn du noch nicht weißt, mit wie viel du realistisch planen kannst, fang bei deinem frei verfügbaren Einkommen an. Dabei hilft dir der Geld-Klar-Check.
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