Endlich anfangen zu sparen, nur wie?

endlich anfangen zu sparen, nur wie?

Du willst endlich anfangen zu sparen. Aber jedes Mal, wenn du dir vornimmst, weniger auszugeben, hält das keine zwei Wochen.

Kommt dir bekannt vor? Dann bist du hier richtig. Im letzten Artikel ging’s darum, warum dein Nervensystem beim Thema Geld auf Alarm schaltet, selbst wenn du gut verdienst. Heute geht’s um den nächsten Schritt: wie du trotzdem anfängst. Keine Diät fürs Konto, kein radikaler Umbau von heute auf morgen.

Ich hab selbst jahrelang ausprobiert, was angeblich funktionieren soll. Kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele aufgeschrieben. Sparchallenges gestartet. Am Ende bin ich bei etwas gelandet, das seit über zehn Jahren funktioniert, und das hat nichts mit einer cleveren App zu tun. Es fing damit an, dass mir online bestellen einfach zu leicht geworden war. Ein paar Klicks, und das Geld war weg, ohne dass ich wirklich gemerkt hatte, wie viel es war. Also hab ich mir gesagt: dann mach ich das jetzt bar. Ich hab mir eigene Umschläge gestaltet, jeden Monat Geld abgehoben und verteilt. Das mach ich bis heute so.

Wie ich da hingekommen bin, und was du dir davon fürs eigene Sparen abschauen kannst, das zeig ich dir jetzt.

💡 Das Wichtigste auf einen Blick

Die meisten Sparversuche scheitern nicht an fehlender Disziplin, sondern an zu großen, zu vielen oder zu abstrakten Zielen. Ein einziges, machbares Ziel, ein Blick in die eigenen Kontoauszüge und eine bewusste Entscheidung für Bargeld statt Karte machen den entscheidenden Unterschied. Wer endlich anfangen will zu sparen, braucht keinen radikalen Umbau, sondern einen ersten kleinen, wiederholbaren Schritt.

Warum die meisten Versuche, endlich anfangen zu sparen, im Sand verlaufen

Der Fehler bei den meisten Sparversuchen ist meistens der gleiche. Sie sind zu groß, zu abstrakt, oder es sind einfach zu viele Ziele auf einmal. Und wenn du zu viele Ziele gleichzeitig verfolgst, wird der Betrag pro Sparziel automatisch klein. Mit zehn Euro im Monat kommst du zwar vorwärts, aber es dauert ewig. Und spätestens da, lässt die Geduld und Motivation nach.

Ich hab das selbst durch. Ganz am Anfang hab ich versucht, meine Ziele in langfristig, mittelfristig und kurzfristig runterzubrechen. Hat für mich nicht funktioniert, weil sich am Ende alles gleich wichtig anfühlte. Ich kam einfach nicht von der Stelle. Übrigens hab ich mittlerweile durchaus ein langfristiges Ziel, mein Investmentdepot. Aber das ging erst, nachdem ich den Rest für mich geklärt hatte. Erst dann konnte ich überhaupt festlegen, welcher Betrag monatlich realistisch übrig ist, um auch langfristig etwas zurückzulegen.

Dann hab ich es mit Sparchallenges probiert. Am Anfang macht das Spaß, keine Frage. Aber irgendwann wurde es mir zu fummelig, weil die Beträge dabei oft winzig sind. Da bewegst du dich einfach nicht wirklich vom Fleck.

Was für mich funktioniert hat, war das Gegenteil. Ein festes, machbares Ziel, das ich mit ein bisschen Mühe in überschaubarer Zeit stemmen konnte. Für mich war das der Notgroschen. Tausend Euro, die ich zu dem Zeitpunkt schlicht nicht hatte. Und ich sag dir ehrlich, es sind viele Jahre bei diesen tausend Euro geblieben. Das restliche Geld ging in andere Wünsche, das hatte einfach keine Priorität. Und das war okay so.

Das nächste Ziel danach war, meinen Urlaub nicht mehr von der Steuererstattung abhängig zu machen. Ich hab stattdessen jeden Monat einen festen Betrag zur Seite gelegt, sodass das Geld da war, wenn es Zeit zum Buchen war. Und das Gefühl, im November schon den Flug fürs nächste Jahr bezahlen zu können, weil das Geld einfach längst auf dem Konto lag, das war für mich der erste echte Beweis, dass dieses System trägt.

Ein Ziel, klein genug für den Anfang. Das war der eigentliche Unterschied, nicht die Methode dahinter.

Warum Bargeld am Anfang besser funktioniert als ein Konto

Online bestellen ist über die Jahre nicht besser geworden. Es ist leichter geworden. Ich mach das jetzt seit über zehn Jahren, und ich seh genau, wie sich das verändert hat. PayPal, Klarna, alles lässt sich auf Raten zahlen. Zwei, drei Klicks, und das Geld ist weg, ohne dass du ein wirkliches Gefühl dafür hattest, wie viel es eigentlich war. Im nächsten Monat kalkulierst du dann und denkst, so viel hab ich ausgegeben. Und das fehlt dir dann an anderer Stelle.

Ich geb ehrlich zu, ich bin da mittlerweile auch nachlässiger geworden, was das Einhalten meiner Budgets angeht. Früher ist das Geld beim Online-Shopping direkt aus dem Kleidungsbudget in den Back-to-Bank-Umschlag gewandert. Da war ich deutlich konsequenter. Und um mein aktuelles Sparziel zu erreichen, muss ich da auch wieder konsequenter werden. Prioritäten setzen, wieder.

Was das Bargeld angeht, es macht sich einfach schwieriger aus. Und genau das war für mich entscheidend. Wenn ich das Geld in der Hand habe, kann ich nicht so locker ausgeben. Bei einer Bluse für achtzig Euro überleg ich mir, wenn ich das Cash hinlegen muss, noch mal, ob sie mir das wirklich wert ist. Online ist das viel zu abstrakt. Für mich funktioniert das einfach nicht.

Und dann kommt noch was dazu. Das Bargeld in den Umschlägen hat mir ab Tag eins Sicherheit gegeben. Ich konnte sehen, das Geld ist da. Ich kann das gar nicht anders beschreiben, es war einfach ein Gefühl von Sicherheit. Vom ersten Monat an, wo ich mit den Sinking Funds angefangen hab, sie in die Umschläge einzusortieren für die jährlichen Rechnungen. Und dann von Monat zu Monat zu sehen, wie das mehr wird. Ich konnte in die Umschläge gucken, das Papier zählen, die Scheine in den Händen fühlen, sie sogar riechen. Geld riecht ja tatsächlich. Manchmal fühl ich mich dabei ein bisschen wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher, wie er durch die Münzen schwimmt. Wer mit den Micky-Maus-Heftchen groß geworden ist, weiß, was ich meine. Das ist einfach noch mal eine ganz andere Qualität. Das macht es für mich aus, bis heute.

Die Anleitung, vom Kontoauszug zur ersten Rücklage

Ich hatte da Phasen, wo ich nicht gerne auf mein Konto geguckt hab. Das Drama wollte ich einfach nicht sehen. Trotzdem wusste ich, bis auf wenige Ausnahmen, wie viel Geld von meinem Konto abgeht und wann. Deshalb war das Aufsetzen für mich relativ einfach. Ich weiß aber, dass das nicht für jede so ist. Viele Frauen haben da keinen guten Überblick, was wann vom Konto runtergeht.

Deshalb wirklich meine Empfehlung: setz dich hin, am besten mit einem Blatt Papier oder einem Kalender, und schreib auf, welche Zahlungen zu welchem Zeitpunkt kommen. Schnapp dir die Kontoauszüge der letzten zwölf Monate und schau, was monatlich abgeht, was vierteljährlich, was halbjährlich, was jährlich. Markier das ruhig farblich, eine Farbe pro Rhythmus. Dann siehst du auf einen Blick, wo im Jahr die großen Brocken liegen.

Woran du unbedingt denken solltest: Kreditkartengebühren und Dispozinsen. Die gehen gerne unter, genauso wie Kontoführungsgebühren von anderen Konten. Also trag wirklich alles zusammen, in Ruhe. Das ist normalerweise an einem Nachmittag erledigt.

Wenn du die Zahlen hast, schau dir jede Position noch mal an. Was nutzt du wirklich? Was befriedigt ein Beduerfnis oder macht dir einfach Spaß? Und was laeuft nur, weil du bisher zu faul warst, das Zeitschriftenabo oder das Fitnessstudio zu kuendigen? Manche Kosten laufen dann trotzdem noch eine Weile weiter, wegen der Kuendigungsfrist. Das gehoert einfach mit dazu.

Und dann kommt die Rechnung. Jährlicher Betrag geteilt durch die Monate bis zur nächsten Fälligkeit, das ist deine monatliche Rücklage. Das kann dich am Anfang kurz aus den Schuhen hauen, vor allem wenn eine Jahreszahlung kurz bevorsteht und du gleichzeitig erst anfängst, dafür zu sparen. Dann wird ein Monat eng, und es geht ums Prioritäten setzen. Welche Anschaffung muss wirklich sein, und welche kann warten. Das ist kein Grund, das Ganze wieder hinzuschmeißen.

Du hast jetzt eine Zahl gefunden, die monatlich beiseite kann. Das ist der leichte Teil.

Der schwere Teil kommt danach: dranbleiben, auch wenn’s nicht auf Anhieb klappt. Genau dafür hab ich dir eine kleine Übung mitgebracht, drei Minuten, zum Lesen oder Hören, ganz wie du magst. Hier bekommst du die Übung:

Freebie-Vorschau: Uebung Warum Ausgeben sich sicherer anfuehlt als Sparen

Und ich kann div versichern: das Gefuehl, wenn du das hinbekommen hast, ist genial. Du zeigst dir selbst, ich bin die Frau, die ihre Finanzen im Griff hat.

Dein Monatsritual und die Klopfübung fürs Durchhalten

So um den 25. rum setz ich mich hin, manchmal auch schon am 20., je nachdem wie viel Zeit ich hab. Und dann stell ich mein Budget für den nächsten Monat auf. Ich weiß in der Regel, was reinkommt, ich rund mein Gehalt auf den knappen Hunderterbetrag ab. Die Differenz bleibt einfach als Puffer auf dem Girokonto, das ist kein Problem.

Dann zieh ich meine Fixkosten ab, die sind jeden Monat gleich. Danach kommen die unregelmäßigen Zahlungen dran. Ich guck, was bei Klarna offen ist, was auf der Kreditkarte drauf ist, was ich sonst noch nicht eingeplant hatte, und rechne das mit rein. Den Notgroschenbetrag und die Investments rechne ich gleich mit rein. Dann gehen die Sinking Funds runter. Was übrig bleibt, ist mein freier Betrag für den Monat.

Ich hab mittlerweile einen festen Betrag, mit dem ich fürs Haushaltsgeld gut hinkomme. Ich überleg mir, was im Monat ansteht, Geburtstage, Veranstaltungen, was ich unternehmen will, und plane danach mein Freizeitbudget. Was dann noch übrig bleibt, verteile ich auf die Sinking Funds II, also meine Sparziele. Urlaub, Kleidung, Beauty, manchmal Auto, meistens auch Gesundheit.

Eine Sache hab ich umgestellt. Der Betrag für meinen Notgroschen steckt genau wie meine Investments schon in den Fixkosten. Pay yourself first. Ich will nicht darauf warten, dass zufällig noch Geld übrig ist, sondern das fest einplanen. Genauso mach ich das jetzt auch mit meinem neuen Urlaubsbudget. Das heißt natürlich, für die anderen Kategorien bleibt weniger übrig, und da muss ich mir dann überlegen, wie viel Kleidung oder Beauty realistisch drin ist.

Wenn ich fertig gerechnet hab, weiß ich, wie viel ich bar abholen muss. Sobald das Gehalt da ist, geh ich zur Bank, hol den Betrag ab und verteil ihn auf meine Umschläge, so wie ich es durchkalkuliert hab. Und dann bin ich für den Monat gerüstet. Es kann eigentlich kommen, was will, weil ich bin vorbereitet.

Der Moment, den ich dabei nicht unterschätzen will: wenn die Zahl höher ausfällt, als du dachtest. Genau da setzt eine kleine Klopfübung an.

Denk an den Moment, wenn du deine Zahlen ausrechnest und der Betrag höher ist, als du gehofft hast. Wie hoch ist dein Stress dabei, auf einer Skala von 0 bis 10?

Klopf dafür ein paar Zentimeter unterhalb deines Schlüsselbeins, dort wo du auch eine Hand auf die Brust legen würdest. Sag dreimal: „Auch wenn mich diese Zahl gerade erschreckt, bin ich okay so wie ich bin.“

Klopf weiter und sag: „Das ist mehr, als ich dachte.“ „Ich weiß nicht, ob ich das jeden Monat durchhalte.“ „Ich mach das trotzdem. Schritt für Schritt, Umschlag für Umschlag.“

Wie hoch ist dein Stress jetzt? Vielleicht von einer 8 auf eine 5. Beides zählt.

Endlich anfangen zu sparen, das gelingt in kleinen Schritten

Der erste Schritt muss nicht das ganze System sein. Er muss nur klein genug sein, dass du ihn wirklich durchhältst. Ein Blatt Papier, eine Rechnung, ein Umschlag. Es wird nicht immer einfach, manche Monate werden eng. Aber genau das ist der Punkt, du machst trotzdem weiter, und irgendwann merkst du, dass es trägt.

Wenn du selbst nicht so genau weißt, was von deinem Konto wann abgeht, ist das ein guter Anfang, genau da hinzuschauen.

Du musst nicht alles auf einmal ändern. Ein Blick in den Kontoauszug, eine Zahl, ein erster Umschlag, das reicht als Anfang.

Falls du die Uebung von weiter oben noch nicht gemacht hast, jetzt ist ein guter Moment dafuer. Drei Minuten, und du verstehst, warum es bisher nicht geklappt hat, ganz ohne dir dafuer die Schuld zu geben. Hier bekommst du die Uebung:

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