Schulden abbauen. Das klingt so einfach. Einfach mehr zahlen, weniger ausgeben, fertig.
Ich schleppe Schulden mit mir rum, seit ich denken kann. Angefangen mit einem Dispokredit, der immer ausgereizt war. Dann verschiedene Ratenkredite. Irgendwann ein fünfstelliger Betrag für ein Businesscoaching, das mein Ticket zu mehr Freiheit sein sollte. Stattdessen war es ein zusätzliches Hamsterrad.
Und mittendrin: Dave Ramsey. Und alle, die sein System nachbeten.
Schulden abbauen um jeden Preis. Sofort. Aggressiv. Kein Kredit darf stehen bleiben.
Ich habe das geglaubt. Und ich habe mich dafür geschämt, dass ich es nicht hinbekommen habe.
Heute sehe ich das anders.
Wer ist Dave Ramsey überhaupt?
Dave Ramsey ist ein amerikanischer Radio-Moderator und Finanzcoach. Er hat in den 1980ern selbst Insolvenz angemeldet, danach sein Leben umgekrempelt und daraus eine Methode gebaut.
Sein bekanntestes Konzept: Die Baby Steps. Erst einen kleinen Notgroschen aufbauen. Dann alle Schulden so schnell wie möglich abbauen, vom kleinsten Betrag zum größten. Dann erst investieren.
Keine Kreditkarten. Kein Kredit für irgendetwas. Schulden sind Sünde. So ungefähr.
In Amerika mag das sinnvoll sein. Kreditkartenzinsen liegen dort oft bei 20 bis 30 Prozent. Studentenkredite über 50.000 Dollar sind normal. Wer in diesem System steckt, braucht einen radikalen Ausweg.
Schulden abbauen um jeden Preis: Was das emotional anrichtet
Wir leben aber nicht in Amerika.
Ein deutscher Ratenkredit hat oft 3 bis 6 Prozent Zinsen. Das ist eine andere Welt. Wer hier mit einem Kredit bei 4 Prozent sein gesamtes Erspartes einsetzt, um ihn vorzeitig abzulösen, statt gleichzeitig in ETFs mit historisch 7 bis 8 Prozent Rendite zu investieren, verliert mathematisch gesehen Geld.
Ich habe mich vor einigen Jahren bewusst dagegen entschieden, meinen Kredit vorzeitig abzubauen. Der Zinssatz ist niedrig. Mein Zeitfenster bis zur Rente ist begrenzt. Jeder Euro, den ich jetzt investiere, hat mehr Zeit zu wachsen als jeder Euro, den ich in ein paar Jahren investiere.
Das war eine Entscheidung. Eine bewusste, durchgerechnete Entscheidung.
Trotzdem hat mich der Kredit jahrelang irre gemacht. Dieser fünfstellige Betrag, der einfach da sitzt. Der mich begleitet. Der nicht weggeht. Für den ich jeden Monat fette Kohle hinlege. Kurzum: Geil finde ich ihn immer noch nicht!
Das Wichtigste auf einen Blick
Dave Ramsey ist ein amerikanischer Finanzcoach, dessen System in den USA für viele Menschen sinnvoll ist. In Deutschland passt es oft nicht, weil die Voraussetzungen völlig andere sind.
Schulden abbauen ist nicht automatisch die erste Priorität. Es kommt darauf an: welche Zinsen, welcher Betrag, welches Zeitfenster.
Was wirklich hilft: keine Pauschalregeln, sondern eine bewusste Entscheidung. Und weniger Scham.
Das Problem, wenn man Schulden abbauen zum Lebensinhalt macht
Das eigentliche Problem ist nicht der Kredit. Das eigentliche Problem ist, was die Botschaft „Schulden sind schlecht“ mit dir macht, wenn du sie unreflektiert übernimmst.
Du schämst dich. Du fühlst dich wie eine Versagerin. Du vergleichst dich mit den Leuten, die angeblich schuldenfrei sind und „es endlich geschafft haben“.
Und dann begegnest du einem System wie dem von Dave Ramsey. Das dir sagt: Ja, genau. Schulden sind schlecht. Reiß dich zusammen. Streich alles zusammen. Bezahl sie ab.
Das trifft auf eine Scham, die schon da ist. Und macht sie größer.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Das Businesscoaching, für das ich den größten Teil meiner Schulden gemacht habe, war mein Versuch rauszukommen. Aus dem Angestelltenverhältnis. Aus dem Gefühl, nicht voranzukommen. Ich wollte Freiheit.
Stattdessen hatte ich ein zusätzliches Hamsterrad, einen fünfstelligen Schuldenberg und das Gefühl, es wieder nicht hinbekommen zu haben.
Du bist so doof. Du kannst das nicht. Du warst wieder nicht gut genug.
Das waren meine Gedanken. Nicht die Zahlen auf dem Kontoauszug.
Was ich heute anders mache
Ich habe aufgehört, mich für meinen Kredit selbst fertig zu machen.
Das klingt einfach. Es war es nicht.
Was mir geholfen hat, war eine andere Frage. Nicht: Wie komme ich so schnell wie möglich davon weg?
Sondern: Was hat mir dieser Kredit damals ermöglicht?
Die Einrichtung für´s Jugendzimmer meines Sohns. So günstig wie möglich, weil ich nicht mehr konnte zu dem Zeitpunkt. Aber es war da.
Das Businesscoaching. Es hat mir nicht gebracht, was ich mir erhofft hatte. Aber ich habe unglaublich viel gelernt. Und ich war mutig genug, es zu versuchen. Das zählt.
Wenn ich heute auf meine Schulden schaue, denke ich nicht mehr: Ich habe versagt. Ich denke: Das hat mir damals gedient. Es darf so sein, wie es ist.
Und damit geht ganz viel Druck raus. Ich konnte Frieden schließen. Mit mir und dem Kredit.
Wann Schulden abbauen wirklich sinnvoll ist
Es gibt Situationen, in denen schnelles Schulden abbauen absolut richtig ist.
- Wenn die Zinsen hoch sind, kommt das zuerst. Kreditkartenschulden, teure Dispokredite, alle! Ratenzahlungen sowie alles mit Zinsen über 8 bis 10 Prozent. Da macht aggressiver Abbau Sinn, da kostet dich jeder Monat echtes Geld.
- Wenn der psychische Druck zu groß ist. Manchmal ist es das Richtige, einen Kredit früher abzulösen, auch wenn es mathematisch nicht optimal ist. Weil der Druck, der damit weggeht, mehr wert ist als die Zinsdifferenz.
ABER: Bevor du Schulden abbauen kannst, brauchst du einen Notgroschen. Das ist der Punkt, in dem ich Dave Ramsey sogar zustimme.
Was ich dir mitgeben möchte
Schulden sind nicht automatisch schlecht. Sie sind ein Werkzeug. Manchmal das falsche, manchmal aber auch das einzige, das da war.
Bevor du anfängst, sie abzubauen, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme:
Welche Zinsen habe ich wirklich?
Was habe ich mit diesem Kredit ermöglicht?
Was würde ich tun, wenn der Kredit weg wäre? Investieren? Oder das Geld ausgeben?
Wie groß ist mein Zeitfenster bis zur Rente? Die Antworten darauf sind persönlich. Kein amerikanischer Finanzcoach kann sie für dich beantworten.
Meine modifizierter Snowball-Methode: So würde ich es angehen
Nicht alle Schulden sind gleich. Deshalb fange ich mit den kleinsten Ratenbeträgen an, nicht zwingend mit den kleinsten Gesamtbeträgen. Welchen zuerst, hängt von deinen freien Mitteln ab.
Der Gedanke dahinter: Jede Ratenzahlung, die wegfällt, gibt dir monatlich Luft. Diese Luft nutzt du nicht sofort für die nächste Schuld, sondern zuerst für den Notgroschen. Weil ohne Notgroschen nimmst du beim nächsten unerwarteten Ereignis den nächsten Kredit auf.
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Erst wenn der Notgroschen steht, gehst du in die Investments. Und parallel läuft der Rest der Schulden einfach durch.
Was mir wirklich geholfen hat
Nicht mehr Disziplin. Nicht aggressiveres Schulden abbauen.
Was mir geholfen hat, war ein Budget, das ich wirklich lebe. Die Umschlagmethode, mit der ich sehe, wo mein Geld hingeht. Rücklagen, die mir das Gefühl von Sicherheit geben, auch wenn der Kredit noch läuft.
Und die Entscheidung, meinen Kredit als bewusste Entscheidung zu betrachten, nicht als Beweis meines Versagens.
Übrigens: Er läuft noch drei Jahre. Dann ist er weg. Bis dahin investiere ich parallel. Das ist mein Plan. Nicht der von Dave Ramsey.
Schreib mir gerne in die Kommentare, welche Gedanken du zum Thema Schulden & Schudenabbau hast

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